Statements zum “Abriss von St. Nikolaus (Koatlackn, Anpruggen)”

Montag, 06. Oktober 2014 14:00

Statements zum Erhalt

der historischen Bausubstanz

von St. Nikolaus (Koatlackn, Anpruggen)

zusammengestellt von Michael Guggenberger (sanktnikolaus@saegewerk.org)

Christoph H√∂lz (Archiv f√ľr Baukunst, Forschungsinstitut der Universit√§t Innsbruck, 12.7.2012)
“Dass St. Nikolaus der √§lteste Stadtteil des heutigen Innsbruck ist, w√§re alleine schon Grund genug f√ľr intensive stadtarch√§ologische Untersuchungen und eine besondere pflegliche Behandlung des gesamten Ensembles nach denkmalpflegerischen Gesichtspunkten. Leider ist das Gegenteil der Fall. Nominell eine Schutzzone nach SOG ist davon kaum etwas zu sp√ľren. Ihre Stadtwanderung hat allen Teilnehmern drastisch das Ausma√ü der andauernden Zerst√∂rung vor Augen gef√ľhrt. Ganze Stra√üenz√ľge haben in den vergangenen Jahren oder verlieren im Augenblick ihr √ľber Jahrhunderte gewachsenes Aussehen. Der bedenkenlose Abriss der Altbausubstanz und die grobschl√§chtigen, meist √ľberdimensionierten Neubauten drohen das Stadtbild Innsbrucks irreparabel zu besch√§digen.
Mein Appell richtet sich an die Stadt und das Land, endlich dem Abriss von St. Nikolaus Einhalt zu gebieten. Der erste und wichtigste Schritt dazu w√§re, die Abrisse in Schutzzonen endg√ľltig zu verhindern oder zumindest gravierend einzuschr√§nken. Wer daran Zweifel hat, gehe nach St. Nikolaus. Ihre F√ľhrung an die Schaupl√§tze des Desasters sei hiermit allen Verantwortlichen sowie allen B√ľrgerinnen und B√ľrgern dringend empfohlen.”

Karl Gostner (Obmann Innsbruck Tourismus, 12.7.2012)
“Anl√§sslich des Abbruchs des Hauses B√§ckerb√ľhelgasse 22 weise ich darauf hin, dass dieses Haus nicht nur von der Riedgasse sondern auch vom Friedhof St. Nikolaus zu sehen war. Es thronte fast √ľber dem Friedhof. Daher ist bei der
Bebauung unbedingt darauf R√ľcksicht zu nehmen, dass das Friedhofgeschehen nicht gest√∂rt wird. Der, an der Baustelle plakatierte Vorschlag entspricht diesem Erfordernis keinesfalls.
Die Stadtteile St. Nikolaus und Mariahilf erlebten in den letzten Jahren einen deutlichen Aufschwung. Sympathische Betriebe aus mehreren Branchen haben sich angesiedelt, Häuser wurden renoviert, Wohnraum geschaffen und
Innenh√∂fe belebt. Das Projekt Anpruggen nimmt diesen Schwung auf und startet einen Prozess, der unter Beteiligung der B√ľrger dieser Stadtteile zu verbesserter Lebensqualit√§t und Anbindung an das Stadtzentrum f√ľhren soll.
Teil dieses Projekts muss die Erhaltung baulicher Strukturen sein, denn Anpruggen ist der √§lteste Teil von Innsbruck und dieser Umstand muss f√ľhlbar bleiben. Daher fordern wir Grundeigent√ľmer und Stadtplanung auf, sich ihrer
Verantwortung gegen√ľber dem historischen Erbe unserer Stadt bewusst zu sein und sowohl bei der Erhaltung vor allem mittelalterlicher Substanz als auch bei Neubauten h√∂chste Qualit√§tsanspr√ľche zu stellen und umzusetzen.”

Wolfgang Sölder (Kustos der archäologischen Sammlungen des Ferdinandeums, 13.7.2012)
“Die gemeinsame Begehung des historischen Kerns von St. Nikolaus am 2. Juli d. J. vermittelte die fortgeschrittene Zerst√∂rung der mittelalterlichen/fr√ľhneuzeitlichen Bausubstanz durch Abbr√ľche und Umbauma√ünahmen. Hinsichtlich k√ľnftiger baulicher Ver√§nderungen des Altbestandes w√§ren – in Verbindung mit verst√§rkter Sensibilisierung der Hauseigent√ľmer – daher anzustreben: einerseits die bauanalytische Erforschung des Aufgehenden, andererseits bauarch√§ologische Untersuchungen der Kellerbereiche und im umgebenden Au√üengel√§nde, wobei das Denkmalamt nicht nur als Auflagen erteilendes Schutzorgan, sondern verst√§rkt als Bewusstsein bildender Partner in den Vordergrund treten und dem Bauherrn mit denkmalpflegerischem Rat unterst√ľtzend zur Seite stehen k√∂nnte. Bez√ľglich erforderlicher arch√§ologischer Untersuchungen w√§re √† la longue und nach bestem Vorbild z. B. der Stadt Hall die Mittelalter-/Neuzeitarch√§ologie durch eine fixe Stelle zu forcieren, die entweder im Stadtarchiv, im Landeskonservatorat oder – aufgrund bestehender Infrastruktur hinsichtlich arch√§ologischer Restaurierungswerkst√§tte – auch im Tiroler Landemuseum Ferdinandeum angesiedelt sein k√∂nnte. Wie die arch√§ologischen Untersuchungen im vormaligen “Leder Lechle” am Burggraben oder – bereits l√§nger zur√ľck – vor der Hofburg und am Adolf Pichler-Platz vermitteln, ist ein umfangreiches Arbeitsgebiet, in welches die Industriearch√§ologie (z. B. f√ľr M√ľhlau zutreffend) einzubinden w√§re, auch in der Innenstadt gegeben.”

Magdalena Hörmann (Mitglied des Sachverständigenbeirates, 14.7.2012)
“Die Begehung des Stadteils St. Nikolaus im Bereich Nikolausgasse, B√§ckerb√ľhelgasse, Riedgasse, Schmelzergasse und Nikolausgasse retour, die auf Einladung von Herrn Michael Guggenberger am 12. Juli 2012 stattfand, hat den Teilnehmern deutlich vor Augen gef√ľhrt, dass sich das ganze Viertel¬† in einer Umbruchphase befindet, die durch eine Reihe von Abbr√ľchen und geplanten bzw. bereits durchgef√ľhrten Neubauten an deren Stelle bestimmt ist .
Das charakteristische Ensemble dieses alten Stadtteils ist an sich von der Bausubstanz her durch Kleinteiligkeit und Bescheidenheit gepr√§gt, es hat sich aber interessanterweise trotz baulicher und baugeschichtlich¬† gro√üer Unterschiede bei den einzelnen H√§usern insgesamt einheitlich entwickelt, was zum typischen Erscheinungsbild mit dem vorherrschenden Satteld√§chern, den bis zum Boden reichenden Fassaden (Wohnraumnutzung), Erkerelementen, schlichten Fenstern (manchmal mit den typischen Faschenrahmen) und Vor- und R√ľckspr√ľngen im Stra√üenverlauf gef√ľhrt hat. Auch die sp√§teren Umbauten der zum Teil noch in das Mittelalter zur√ľckreichenden H√§user haben diese Grundz√ľge fortgesetzt, dabei sind f√ľr das Element des ‚ÄěWinkligen‚Äú vielfache und interessante Spielarten entwickelt worden.
Mit¬† neuen Projekten, deren Grundlage von den Bautr√§gern her¬† die weitestm√∂gliche Raumnutzung darstellt, wird nun eine gewaltige Bresche in den alten Stadtteil (1510 erstmals ‚ÄěKoatlackn‚Äú genannt) geschlagen.
Obwohl der ganze Bereich als Schutzzone nach dem Stadt- und Ortsbilderhaltungsgesetz (SOG) ausgewiesen ist, konnte die Entwicklung nicht wirklich beeinflu√üt werden. Es gibt im SOG keine M√∂glichkeit bei Abbruchverfahren Stellung zu nehmen, der Beirat wird erst herangezogen, wenn es um die Neubauten und deren Aussehen geht. Verst√§ndlicherweis f√ľhren solche Diskussionen bei bereits im Planungsstadium befindlichen und von beauftragten Architekten ausgearbeiteten Projekten zwangsl√§ufig zu Kompromissen. Es ist im Beirat √ľberhaupt festzustellen, dass sich das Interesse der Mitglieder¬† von der ‚Äěunhaltbaren‚Äú alten Bausubstanz weg st√§rker auf eine moderne Architekturdiskussion verlagert hat.
Die erste dringende Ma√ünahme, um den¬† SOG-Beirat nicht endg√ľltig als einen hilflosen Verein vor der √úbermacht der Investoren, Bautr√§ger und des modernen Bauens (was immer das ist) dastehen zu lassen, ist die Novellierung des Gesetze in Hinblick auf den erw√§hnten Abbruchparagraphen. Parallel dazu ist der in der TBO (Tiroler Bauordnung)¬† bereits vorgesehene Paragraph des landeskundlichen Interesses bei Geb√§uden , die nicht unter Denkmalschutz stehen, vermehrt¬† heranzuziehen bzw. √ľberhaupt¬† zu aktivieren. Er f√ľhrt m. E. ein Schattendasein.
Die dringend notwendige Bewu√ütseinsbildung f√ľr die Wichtigkeit des √úberlebens alter Stadtviertel erfordert zweifellos gro√üe Anstrengungen.
In diesem Sinn ist die Initiative des neuen Aktionskomitees unter Michael Guggenberger sehr zu begr√ľ√üen.”

Christian Kayed (Storyguide, Innsbruck, 3.7.2012):
“Was l√§uft schief? – Es fehlt die Transparenz in den st√§dtebaulichen Ver√§nderungen – wie Abrissen – in der Nachbarschaft, als Bewohner eines Viertels – wie St. Nikolaus – m√∂chte ich informiert und in Entscheidungen
miteinbezogen werden, und es fehlt eine Wertschätzung der historischen Bausubstanz, die Lebensqualität und Identität stiftet.
Wie k√∂nnte eine positive Entwicklung herbeigef√ľhrt werden? – Geplante bauliche Ver√§nderungen – wie Abrisse – m√ľssen rechtzeitig und transparent in der Nachbarschaft kommuniziert werden; St√§rkung der Mitbestimmung vor
Ort; Einrichtung einer Stadtarch√§ologie in Innsbruck, um die Bausubstanz genau zu befunden und so wertzusch√§tzen und zu genie√üen.”

Michael Unterberger (Abteilung Landesentwicklung und Zukunftsstrategie, Sachgebiet Raumordnung, Fachbereichsleiter-Stellvertreter f√ľr √∂rtliche Raumordnung, 16.7.2012)
“Als Ersatzmitglied des Sachverst√§ndigenbeirates ist auch mir die Problematik des Abbruches von baulichen Anlagen in den Schutzzonen nach SOG 2003 bewusst.
Ein entsprechend verst√§rkter allgemeiner Schutz aller Geb√§ude (vgl. derzeit besonderer Schutz nur f√ľr charakteristische Geb√§ude und denkmalgesch√ľtzte Geb√§ude ) in den Schutzzonen w√§re, wie auch der Rundgang best√§tigt hat, im Gesetz von Vorteil, um “voreilige” Abbr√ľche zu verhindern.
Reine “F√ľllobjekte” zwischen baukulturell wertvollen Geb√§uden k√∂nnten im Fall einer qualit√§tvollen Planung und bei nachgewiesenem Bedarf nach Pr√ľfung von Alternativen und fachlicher Beratung frei gegeben werden.”

Gabriele Neumann (Denkmalamt, 20.7.2012)
“Wir im Bundesdenkmalamt verfolgen mit Sorge die Entwicklung der letzten Jahre, wo Abbr√ľche auch in Schutzzonen nach dem Stadt- und Ortsbildschutzgesetz ohne weiteres m√∂glich sind. Statt eine Instandsetzung des Bestandes anzustreben, stehen immer h√§ufiger “Abbruch und Neubau” auf der Tagesordnung des Sachverst√§ndigenbeirates. Ein Abbruch und Neubau sollte in Schutzzonen eigentlich die Ausnahme bilden, ist aber derzeit mit dem Ziel absoluter Nutzfl√§chenmaximierung (z.B. St. Nikolausgasse 24, 26; B√§ckerb√ľhelgasse 22) die Standardl√∂sung. In manchen Stra√üenbereichen beginnt das Verh√§ltnis von Altsubstanz zu Neubauten zu kippen, Charakteristika verschwinden, einstige “malerische” Ecken bzw. H√§userzeilen sucht man vergebens.
Da wohl der Ortsbildschutz keine Erhaltungsgew√§hr mehr bietet, wird immer wieder auch die Frage des Ensembleschutzes, z.B. f√ľr die Innstra√üe und St. Nikolausgasse, sowie Mariahilfstrasse intern im Bundesdenkmalamt diskutiert. Leider sind Ensemble-Erhebungen und -Unterschutzstellungen so aufw√§ndige, in Zusammenarbeit mit der Zentrale in Wien durchzuf√ľhrende Verfahren, dass dies nicht in absehbarer Zeit seitens des Bundesdenkmalamtes angegangen werden kann (auch vor dem Hintergrund der Erfahrungen mit dem 2006 eingeleiteten Ensemble Maria-Theresien-Stra√üe).
Somit bleibt nur mehr die √úberpr√ľfung jedes einzelnen Objektes, meist aus einem Anlassfall heraus, wie geplante Bauma√ünahmen oder aufgrund einer Anfrage, auf das etwaige Vorliegen von Denkmalschutzkriterien als Einzeldenkmal. Leider hat sich gerade bei den j√ľngst abgebrochenen Objekten in St. Nikolaus gezeigt, dass diese eben nicht die Wertigkeit eines Denkmales erreichen, in der Substanz zu bescheidene H√§user, manchmal zu stark ver√§ndert oder bereits zu stark vernachl√§ssigt sind. In solchen F√§llen kann der Denkmalschutz nicht argumentiert und vertreten werden, was meist einer endg√ľltigen Preisgabe des Objektes gleich kommt.
Wenn ein Objekt nicht erhalten werden kann, dann sollte wenigstens eine ausreichende Dokumentation vor dem Abbruch erreicht werden. Stadtarchiv/Stadtmuseum und Bundesdenkmalamt (im Zuge der o.g. Begehungen zur √úberpr√ľfung der Denkmaleigenschaften) bem√ľhen sich um eine einfache Fotodokumentation, aber eine fundierte baugeschichtliche Dokumentation inkl. einfachem Planmaterial w√ľrde das Objekt als historische, gebaute Quelle weiterhin f√ľr die stadthistorische Forschung bewahren, auch wenn das Objekt selbst nicht mehr existiert.
Viele Erkenntnisse zur Stadtgeschichte Innsbrucks oder einzelner Bereiche gehen auch dadurch verloren, dass es keine Institution “Stadtarch√§ologie” gibt, die begleitend, √ľberwachend, fallweise forschungsgrabend bei Bauma√ünahmen ins Spiel k√§me. Gerade die oft l√§nger brach liegenden Abbruchfl√§chen (z.B. B√§ckerb√ľhelgasse 11) und deren Umfeld b√∂ten ein einmaliges Bet√§tigungsfeld f√ľr die Alltags-, die Mittelalter- und Neuzeitarch√§ologie.
Ein wichtiger Punkt innerhalb der Schutzzonen ist auch die Betreuung und Beratung bei den Baustellen, die aus personeller Knappheit weder das Bundesdenkmalamt noch die Ortsbildschutzreferenten des Stadtmagistrates leisten k√∂nnen. In den letzten Jahren scheint viel Grundwissen im Umgang mit Altsubstanz, historischen Oberfl√§chen, Materialien und Farbigkeiten verloren gegangen zu sein, wie man an einigen “sanierten” Fassaden der j√ľngeren Zeit (St. Nikolausgasse 26, Innstra√üe 59) beobachten kann. Bemusterungen von Farbgebungen sollten in den Schutzzonen in Innsbruck eingefordert werden.”

Martin Krulis (damaliger Gemeinderat von Innsbruck, 29.4.2004)
Auszug aus dem Protokoll der Gemeinderatsitzung vom 29.4.2004:
“Der Bereich Sankt-Nikolaus-Gasse 9 besch√§ftigt uns schon seit vielen Jahren und hat mich noch in meiner Zeit als Planungsstadtrat und damals als Mitglied des Sachverst√§ndigenbeirates besch√§ftigt. Es handelt sich hier um ein kleineres Haus in der Sankt-Nikolaus-Gasse. Leider ist in dieser Angelegenheit schon alles gelaufen und der Abbruchbescheid ist ebenfalls schon ergangen.
Man h√§tte sehr wohl dieses kleine Haus in der Sankt-Nikolaus-Gasse 9 erhalten k√∂nnen. Es ist nat√ľrlich immer eine Frage der Bewohnerstruktur, aber auch einer gewissen Verantwortung eines Eigent√ľmers, dass man versucht – ich wei√ü schon, dass es oft schwierig ist, wenn die Mieteinnahmen sehr gering sind – ein Haus m√∂glichst in Schuss zu halten,
so wie es andere Innsbruckerinnen und Innsbrucker, die alte Häuser besitzen, auch machen. Egal, ob das in der Häuserzeile St. Nikolaus, Mariahilf oder in anderen Schutz- und Erhaltungszonen der Fall ist.
Ich habe damals als Mitglied des Sachverst√§ndigenbeirates gen√ľgend Beispiele erlebt, wo sich H√§user in diesen Zeilen in einem katastrophalen Zustand befunden haben und man doch mit Unterst√ľtzung von √∂ffentlichen Mitteln die jedem zustehen – ob das nun Mittel aus dem Stadtkern- und Ortsbildschutzgesetz (SOG) oder aus dem Denkmalschutz sind -
die Häuser vorbildhaft hergerichtet hat. Dies wäre auch in der Sankt-Nikolaus-Gasse 9 möglich gewesen.
Bgm.-Stellv. Dipl.-Ing. Sprenger hat sich dieses Haus angesehen und hat gesagt, dass es sich um eine “Bruchbude” handelt, was schon stimmt. Aber aus meiner fachlichen Sicht kann ich sagen, dass man auch “Bruchbuden” toll herrichten kann. Es gibt gen√ľgend Beispiele, die das auch belegen k√∂nnen. Das ist der eine Punkt. Ich habe mich immer gegen den Abbruch dieses Hauses ausgesprochen. Auch wenn die Sache leider gelaufen ist, m√∂chte ich dieser Linie treu bleiben.
[...]
Wir wissen, dass die Grundpreise in dieser beengten Lage, welche die Stadt Innsbruck durch die geographische Situation aufweist, exorbitant teuer sind und jeder froh ist, wenn er in seinem Bereich eine gute Auslastung hat. Man kann das aber auch √ľbertreiben. Ich glaube, dass diese beim gegenst√§ndlichen Projekt zu gro√ü ist und deshalb habe ich hier gegen die gesamte Sache gestimmt. Einmal gegen den Abbruch des Hauses in der Sant-Nikolaus-Gasse 9 aber auch gegen die Neuverbauung im hinteren Bereich.

Gerhard Fritz (damaliger Gemeinderat, jetzt Stadtrat, 29.4.2004)
Auszug aus dem Protokoll der Gemeinderatsitzung vom 29.4.2004:
“Der Abbruch dieses Geb√§udes in der Sankt-Nikolaus-Gasse 9 hat nicht nur den Sachverst√§ndigenbeirat nach dem
Stadtkern- und Ortsbildschutzgesetz (SOG) aufgeregt, sondern das hat damals, als der Abbruch zum ersten Mal zur Debatte stand, ja auch im Stadtteil St. Nikolaus sehr viele Leute aufgeregt. Es gibt f√ľr den Abbruch dieses Hauses wirklich nur einen einzigen Grund. GR Ing. Krulis hat sehr richtig gesagt, dass es bautechnisch m√∂glich w√§re, dieses Haus in Stand zu halten, wenn es man nicht absichtlich so weit vergammeln l√§sst, dass es eines Tages wirklich nicht mehr zu sanieren ist. Der Grund liegt nicht in dieser Liegenschaft selber, sondern darin, dass sich dahinter ein gro√üer Baugrund befindet und der Besitzer diesen einfach durch eine Durchfahrt von der Sankt-Nikolaus-Gasse her
erschlossen haben m√∂chte. Ich behaupte, dass es andere gro√üe M√∂glichkeiten gibt, dieses gro√üe und bereits als Bauland gewidmete Grundst√ľck anders als durch eine Durchfahrt von der Sankt-Nikolaus-Gasse her zu erschlie√üen.
Diese Durchfahrt f√ľr relativ viel Baukubatur – die nach den geltenden Bebauungsregeln in diesem Hof entstehen kann – ausgerechnet √ľber die enge Sankt-Nikolaus-Gasse zu f√ľhren, ist aus der Sicht der Verkehrsplanung nicht der intelligenteste Einfall, den man in diesem Zusammenhang haben kann.
Wie der Sachverst√§ndigenbeirat nach dem Stadtkern- und Ortsbildschutzgesetz (SOG) richtig sagt, ist eine Einfahrt im Parterre – also praktisch ein aufgest√§ndertes Haus, das im ersten Stock erst beginnt – in dieser kleinr√§umigen Baustruktur, mit einer bis ins Mittelalter zur√ľckgehenden Parzellenstruktur und auch mit H√§usern, die teilweise bis in das Mittelalter zur√ľckgehen, nun wirklich die Faust aufs Auge.
[...] eine Garageneinfahrt im Parterre f√ľr das dahinter entstehende Projekt mit der Lenkung aller Verkehrsstr√∂me durch die enge Sankt-Nikolaus-Gasse; und das im √§ltesten Stadtteil der Stadt Innsbruck.
Das ist baugeschichtlich und stadtplanerisch ein Aberwitz und gegen√ľber dem Stadtteil St. Nikolaus eine schlichte Frechheit. Hier wird mit Sicherheit nicht nur der Sachverst√§ndigenbeirat nach dem Stadtkernund
Ortsbildschutzgesetz (SOG) einen Protest erheben, sondern es wird auch im Stadtteil St. Nikolaus √ľber dieses Abbruch- und Neubauprojekt Aufregung geben. Ich halte es aus verkehrsplanerischen und stadtgestalterischen Erw√§gungen f√ľr einen groben Unfug, dieses Haus abzurei√üen und durch einen viergeschossigen Neubau ersetzen zu wollen. Deshalb lehnen wir, so wie im Bau- und Projekt-Ausschuss, diesen zweiten Teil des Bebauungsplanes ab.”

urban | von Guggi